arno schmidt... (1914-1979)

Sprachgewaltiger sprachzertrümmerer, sensibler wortfinder, kauz und besserwisser - man braucht zeit, um seine texte zu lesen. Nichts für triviale romanleser oder fanatische ortografen! Eher etwas für sprachgourmets, einsiedler (oder auch zweisiedler), steinbruch-poeten und andere halbzivilisierten käuze.

Aus dem leben eines fauns

"Auf die sterne soll man nicht mit fingern zeigen; in den Schnee nicht schreiben; beim donner die erde berühren :
also spitzte ich eine hand nach oben, splitterte mit umsponnenen finger das "K" in den silberschorf neben mir, (gewitter fand grade keins statt, sonst hätt ich schon was gefunden !) (In der aktentasche knistert das butterbrotpapier).
Der kahle mongolenschädel des mondes schob sich mir näher.(Diskussionen haben lediglich diesen wert : dass einem gute gedanken hinterher einfallen.)
Die chaussee (zum bahnhof) mit silberstreifen belegt; am rande mit rauschnee  hochzementiert, diamonddiamond (macadamisiert; - warn schwager Coopers nebenbei). Die bäume standen riesenstramm und mein schritt rührte sich dienstfertig unter mir.(Gleich wird der wald links zurückweichen und felder ankommem). Auch der mond musste mir noch im rücken hantieren, denn manchmal zwitschten merkwürdig scharfe strahlen durchs nadelschwarz. Weit vorn stach ein kleines auto die aufgeschwollenen augen in die morgennacht, sah sich langsam zitternd um und wandte mir dann schwerfällig den rotglühenden affensteiß her : gut, dass es wegfährt !

Anfang aus: "Aus dem leben eines fauns", A.Schmidt, Ausgew. Werke, Bd.1, Verlag Volk und Wissen 1990, S.143